Pressemeldungen
Wie Hessen die Leichtathletik-EM in Birmingham prägte
Frauen
Rebekka Haase (Sprintteam Wetzlar) – 100 m, 4x100 m, 4x100 m Mixed – Silber!
Die Saison-Highlights kamen für Rebekka Haase erst zum Schluss. Im Einzelrennen über 100 m, für das sie sich wie Gina Lückenkemper direkt fürs Halbfinale qualifiziert hatte, kam sie mit 11,36 Sekunden auf Rang sieben – den Titel sicherte sich Lokalmatadorin Amy Hunt in 11,00 Sekunden. Haase war mit ihrer eigenen Leistung unzufrieden, setzte ihren Fokus aber schon auf die anstehenden Staffeln.
Die 4x100-m-Staffel der Frauen (Jolina Ernst, Haase, Sophia Junk, Gina Lückenkemper) hatte dann im Vorlauf großes Pech: Beim letzten Wechsel von Junk auf Lückenkemper kam es zu Problemen, der Stab kam nicht sicher an – kein Zieleinlauf, Aus im Vorlauf. Zuvor hatte sich das Quartett eigentlich gut positioniert gezeigt.
Umso schöner die Wiedergutmachung: In der neuen Mixed-Staffel über 4x100 m holte das Quartett Kevin Kranz, Rebekka Haase, Heiko Gussmann und Gina Lückenkemper in starken 40,11 Sekunden die Silbermedaille – hinter dem favorisierten Gastgeber Großbritannien und vor Spanien. Ein versöhnlicher Abschluss für Haase nach dem Staffel-Ärgernis im Vorlauf der reinen Frauenstaffel.
Chelsea Kadiri (Sprintteam Wetzlar) – 100 m & 4x100 m & 4x100 m Mixed
Bei ihrem ersten Auftritt auf der ganz großen Bühne verpasste die 21-jährige Chelsea Kadiri mit 11,47 Sekunden das 100-m-Halbfinale als Vorlauf-18. relativ deutlich. Die nackten Zahlen erzählen dabei nicht die ganze Geschichte: Ihr Lauf fand bei Windstille statt, während in den beiden anderen Vorläufen kräftiger Rückenwind half – ein Unterschied, der über 100 m schnell ein bis zwei Zehntelsekunden ausmachen kann. Für die Staffeln kam Kadiri letztlich nicht zum Einsatz, zeigte sich aber trotz des enttäuschenden Laufs stolz, bei ihrer ersten großen Meisterschaft überhaupt schon dabei gewesen zu sein.
Eileen Demes (TV 1861 Neu-Isenburg) – 400 m Hürden
Eileen Demes lief in ihrem Halbfinale mit einer Saisonbestleistung von 54,63 Sekunden auf Rang drei – und verpasste den Einzug ins Finale hauchdünn: Nur drei Hundertstelsekunden fehlten zur Läuferin auf dem entscheidenden Platz davor (54,60 Sekunden). Eine ganz bittere, aber angesichts der Einstellung ihrer Saisonbestleistung auch ermutigende Enttäuschung.
Smilla Kolbe (Eintracht Frankfurt) – 800 m
Ein echtes Ausrufezeichen setzte Smilla Kolbe bereits im Vorlauf: Mit 1:57,80 Minuten lief sie eine persönliche Bestzeit und wurde Dritte ihres Laufs. Im Halbfinale bekam es die 24-Jährige dann mit einem Weltklasse-Feld zu tun – unter anderem mit Olympiasiegerin Keely Hodgkinson und mit Femke Bol, die als Hallenweltrekordhalterin über 400 m Hürden eigentlich aus einer ganz anderen Disziplin kommt, über 800 m aber ebenfalls zur Weltspitze zählt. In diesem extrem starken Halbfinale (1: Hodgkinson 1:57,38 – 2: Broeders-Bol 1:57,46 – 3: Coiro 1:57,74) kam Kolbe in 1:58,21 Minuten auf Rang sechs und verpasste das Finale nur knapp – eine richtig starke Leistung gegen eine der stärksten Konkurrenzen des gesamten Meetings.
Neben der Bahn machte Kolbe zudem mit einem bemerkenswerten Interview auf sich aufmerksam: Nach ihrem Halbfinale verurteilte sie rassistische Kommentare im Netz gegen Teamkolleg:innen und rief zu mehr Respekt und Fairness im Umgang mit dem deutschen Team auf. Ein starkes Statement, das über den sportlichen Erfolg hinaus Beachtung fand.
Jana Marie Becker (Königsteiner LV) – 800 m
Auch die erst 20-jährige Jana Marie Becker zeigte im Vorlauf eine persönliche Bestleistung – und das Niveau über 800 m war bei dieser EM so hoch, dass selbst eine starke Zeit nicht zwingend fürs Halbfinale reichte. Becker kam in 1:59,08 Minuten auf Rang sechs ihres Laufs und verpasste damit das Finale. In ihrem Vorlauf traf sie unter anderem auf Audrey Werro, die schnellste Europäerin des Jahres, die bei dieser EM anschließend auch Europameisterin wurde und sowohl Schweizer Rekordhalterin (1:53,80 min) als auch die drittschnellste Frau der Welt ist. Ein starker Auftritt für die junge Athletin bei ihrer ersten großen Meisterschaft der Aktiven.
Aileen Kuhn (Eintracht Frankfurt) – Hammerwurf
Aileen Kuhn erreichte mit 70,14 m in der Qualifikation sicher das Finale, hatte dort aber mit Problemen in der Bauchmuskulatur zu kämpfen. Mit 68,24 m wurde sie am Ende Zehnte – für den angepeilten Top-Acht-Platz hätten 69,13 m gereicht. Besonders ärgerlich: Die Weltrekordlerin und dreifache Olympiasiegerin Anita Wlodarczyk verpasste als Vierte ihre Medaille nur um 51 Zentimeter, was zeigt, wie eng es am Ende zuging. Kuhn selbst sprach von einer durchwachsenen Saison, in der die 70-Meter-Marke nicht immer selbstverständlich war, blickt aber mit neuem Hunger auf die kommende Saison.
Samantha Borutta (Eintracht Frankfurt) – Hammerwurf
Samantha Borutta verpasste als 13. der Qualifikation mit 67,62 m knapp den Einzug ins Finale – der letzte Finalplatz ging mit 68,49 m an die Griechin Scarvelis. Kurz vor der EM hatte Borutta an ihrer Technik gearbeitet, was im Training bereits vielversprechend aussah. Trotz des verpassten Finaleinzugs zeigte sie sich sichtlich stolz auf ihren 13. Platz bei dieser großen Meisterschaft.
Vanessa Grimm (Königsteiner LV) – Siebenkampf
In einem hochklassig besetzten Wettkampf wurde Vanessa Grimm 14. mit 6.119 Punkten, 632 Punkte hinter der Siegerin. Ihr eigener Wettkampf verlief wechselhaft: Der Weitsprung geriet deutlich unter Wert und kostete sie nach eigener Einschätzung die meisten Punkte, während sie im Kugelstoßen trotz schwierigem Wind eine Saisonbestleistung zeigte und sich über die abschließenden 800 m couragiert ins Ziel kämpfte. Insgesamt zog Grimm ein differenziertes, aber konstruktives Fazit und will mit ihrem Trainer daran arbeiten, in den kommenden Jahren konstanter zu werden.
Bianca Maria Dittrich (Spiridon Frankfurt) – Gehen Marathon
Eine bittere Geschichte für Bianca Maria Dittrich: Nach einer schwierigen Saison mit zwei Qualifikations-Marathons innerhalb von sechs Wochen und wenig Erholungszeit hatte sie zuletzt wieder in die Spur gefunden und sich fit für ein schnelles Rennen gefühlt. Bei etwa 28 km spürte sie erste Beschwerden in der Oberschenkelrückseite, bei Kilometer 32 kam es dann bergab zu einem plötzlichen, schmerzhaften Riss, der sie zu Boden brachte – Wettkampfabbruch. Auf Instagram beschrieb sie ihre große Enttäuschung, verbunden mit dem Wissen, dass ihre Verletzungspause nun länger ausfallen wird als geplant. Nach zwischenzeitlichen Gedanken ans Karriereende hatte sie erst wieder Spaß am Sport gefunden – umso schmerzhafter das frühe Aus.
Nina Reuter (Frankfurt Athletics) – Marathon-Team
Der Frauen-Marathon fand unter extrem schwierigen Bedingungen auf einem anspruchsvollen, kurvenreichen Kurs mit vielen Anstiegen statt. Nina Reuter gehörte dabei zu den Debütantinnen im deutschen Team und ging das Rennen entsprechend defensiv an. Am Ende hatte sie sichtlich zu kämpfen und kam nach 2:42:34 Stunden auf Platz 41 ins Ziel. In der Teamwertung, in die die drei besten Ergebnisse pro Nation einfließen, erreichte das DLV-Team dennoch Rang fünf. Die Medaillen sicherten sich Großbritannien, Italien und Spanien. Angesichts der Bedingungen und der Erfahrung, die Reuter bei ihrem Debüt auf großer Bühne sammeln konnte, ist die Leistung positiv einzuordnen – durchgekämpft trotz widriger Umstände.
Männer
Kevin Kranz (Sprintteam Wetzlar) – 4x100 m & 4x100 m Mixed – zweimal Silber!
Ein Staffel-Wochenende nach Maß für Kevin Kranz. Mit der Männerstaffel (Kranz, Marvin Schulte, Heiko Gussmann, Lucas Ansah-Peprah) lief er im Vorlauf souverän mit starken Wechseln zur schnellsten Zeit ein und holte im Finale in 38,64 Sekunden Silber – hinter Favorit Großbritannien und vor Belgien. Schnellster Mann Deutschlands, Owen Ansah, stand wegen der mutmaßlich verweigerten Dopenkontrolle vorsorglich nicht zur Verfügung. Kranz selbst betonte im Anschluss den Teamgeist und den Zusammenhalt der Staffel als entscheidenden Faktor für den Erfolg trotz kalter, windiger Bedingungen.
Am nächsten Tag legte er mit der neu eingeführten Mixed-Staffel nach: Gemeinsam mit Rebekka Haase, Heiko Gussmann und Gina Lückenkemper lief er in deutscher Rekordzeit von 40,11 Sekunden zu Silber – nur der Gastgeber Großbritannien mit Europarekord (39,97 Sekunden) war schneller, Spanien wurde Dritter. Damit hatte Kranz die zweite Medaille des Wochenendes in der Tasche.
Heiko Gussmann (Sprintteam Wetzlar) – 100 m & 4x100 m & 4x100 m Mixed – zweimal Silber!
Auch für Heiko Gussmann verlief die EM in Birmingham glänzend. Im Einzelrennen über 100 m zeigte er bei seinem ersten internationalen Einsatz in der Männerklasse ein starkes Halbfinale (10,37 Sekunden, Rang drei in seinem Lauf) – für den Finaleinzug hätten 10,30 Sekunden gereicht, knapp verpasst. Anschließend konzentrierte er sich voll auf die Staffeln – mit Erfolg: Sowohl mit der Männerstaffel über 4x100 m als auch mit der neuen Mixed-Staffel holte er jeweils Silber. Er selbst beschrieb nach dem Mixed-Erfolg, wie ihn die erste Medaille mit der Männerstaffel noch hungriger auf weiteres Edelmetall gemacht habe.
Owe Fischer-Breiholz (Königsteiner LV) – 400 m Hürden
Ein echtes Ausrufezeichen setzte der erst 22-jährige Owe Fischer-Breiholz. Im Halbfinale lief er stark und souverän als Zweiter mit 48,23 Sekunden ins Finale ein. Dort verlor er allerdings früh den Rhythmus – ein Fehler beim Absprungbein an der ersten Hürde zog sich durch den kompletten Lauf, sodass er nicht mehr richtig angreifen konnte. Am Ende wurde er in 48,56 Sekunden Fünfter – nur drei Zehntel von Bronze entfernt. Von diesem jungen, ambitionierten Athleten dürfen wir uns in den kommenden Jahren sicher noch auf mehr freuen. Das Finale selbst war hochklassig: Karsten Warholm (Norwegen) lief zum Meisterschaftsrekord und untermauerte damit seinen Status als dreifacher Weltmeister, Olympiasieger 2021 und Weltrekordhalter seit 2021. Direkt dahinter holte sich Fischer-Breiholz’ eigener Trainingskollege Emil Agyekum die Silbermedaille und untermauerte damit seinen seit Juli 2026 gehaltenen deutschen Rekord.
Marc Tortell (Athletics Team Karben) – 1.500 m
Für Marc Tortell war der Finaleinzug nicht drin: Im Vorlauf blieb er nach einem unruhigen ersten Kilometer und einem Beinahe-Sturz auf der letzten Runde an der Spitzengruppe hängen und wurde in 3:42,21 Minuten 13. seines Laufs, insgesamt Rang 19. Zwölf Konkurrenten waren mit schnelleren Bestzeiten angereist. Für den Karbener, der noch vor zwei Jahren beinahe mit dem Sport aufgehört hätte, war allein die Teilnahme an einem Rennen gegen Europas schnellste Mittelstreckler schon ein persönlicher Erfolg – trotz blutiger Schienbeine vom hitzigen Renngeschehen.
Merlin Hummel (Eintracht Frankfurt) – Hammerwurf – Silber!
Hummel holte die erste Medaille für einen Hessen bei dieser EM – und gleich Silber! Nach einer schwachen Qualifikation (Rang zehn mit 75,49 m, gut sechs Meter unter Saisonbestleistung) steigerte sich der Vize-Weltmeister von Tokio im Finale entscheidend: Mit dem fünften Versuch schob er sich mit 81,30 m auf Rang zwei vor und sicherte sich damit die zweite EM-Medaille für Deutschland im Hammerwurf seit 20 Jahren. Gold ging an den überragenden Ungarn Bence Halász, der mit 84,25 m einen Landesrekord und die Weltjahresbestleistung aufstellte, Bronze sicherte sich der Ukrainer Mykhaylo Kokhan. Hummel selbst sprach nach der harten Qualifikation von einer regelrechten Negativspirale, aus der er sich befreien konnte – für ihn ein wichtiger Vertrauensbeweis, auch unter Druck performen zu können. Nach Standort- und Trainerwechsel eine besonders bemerkenswerte Leistung mit viel Potenzial für die Zukunft.
Sören Klose (Eintracht Frankfurt) – Hammerwurf
Ein starkes Comeback nach längerer Verletzungspause: Sören Klose steigerte sich von der Qualifikation (75,80 m, Platz acht) im Finale auf 78,13 m und damit einen überzeugenden sechsten Platz. Für den Frankfurter, der lange verletzungsbedingt pausieren musste, eine echte Belohnung für den langen Weg zurück und einen der besten Wettkämpfe seiner Karriere, wie er selbst betonte.
Marius Karges (Eintracht Frankfurt) – Diskuswurf
Bei seinem ersten Start bei einer internationalen Meisterschaft in der Männerklasse kam Marius Karges in der Qualifikation auf 60,73 m und damit Rang 15 – das Finale verpasste er knapp, nötig gewesen wären 62,19 m. In der Vorbereitung auf die Deutschen Meisterschaften hatte er noch mit einem Haarriss in der Rippe zu kämpfen, war zur EM aber beschwerdefrei. Er selbst zeigte sich enttäuscht, da er sich im Training zuletzt auf einem Niveau von 63 bis 65 Metern gesehen hatte, das im Wettkampf noch nicht abrufbar war – nimmt die Teilnahme aber als Motivation für die kommenden Jahre mit.
Amadeus Gräber (Eintracht Frankfurt) – Zehnkampf
Der erst 21-jährige Amadeus Gräber lieferte bei seinem ersten Auftritt auf ganz großer Bühne einen bemerkenswerten Zehnkampf ab. Während sich Leo Neugebauer (Gold, 8.611 Punkte) und Niklas Kaul (Silber) in einem hochspannenden Finale den deutschen Doppelsieg sicherten, kam Gräber mit 8.162 Punkten auf einen starken achten Platz – nur 449 Punkte hinter Weltmeister Neugebauer. Besonders im Stabhochsprung überzeugte er mit übersprungenen 5,10 m als bester Springer des Zehnkampf-Tages. Gräber selbst beschrieb es als überwältigenden Moment, gemeinsam mit Neugebauer und Kaul auf so hohem Niveau abzuschließen, und blickt mit großem Ehrgeiz Richtung Olympia 2028.
Christopher Linke (Eintracht Frankfurt) – Gehen Marathon
Eine der bemerkenswertesten Geschichten der gesamten EM aus hessischer Sicht: Christopher Linke ging beim EM-Debüt der neuen Marathon-Distanz im Gehen zunächst in Medaillenreichweite, bekam dann aber bei Kilometer 15 massive Fersenprobleme – vermutlich eine große Blase. Nach einem Schuhwechsel kämpfte er sich zurück und beendete das Rennen in deutscher Rekordzeit von 3:02:58 Stunden (vorbehaltlich Ratifizierung) auf Platz acht – so schnell ist zuvor kein Deutscher einen Marathon gegangen. Sein Ziel, die Distanz einmal unter drei Stunden zu gehen, bleibt bestehen. Eine eindrucksvolle Willensleistung trotz Schmerzen.
Johannes Frenzl (Eintracht Frankfurt) – Gehen Marathon
Auch Frenzl, Trainings- und Teampartner von Linke, ging mutig und mit hohem Risiko ins Rennen und lag bei Kilometer 30 auf Kurs für die angepeilte Top-10-Platzierung. Auf den letzten zehn Kilometern gingen dem 24-Jährigen dann die Kräfte aus – am Ende stand mit 3:09:12 Stunden Platz 15 zu Buche, dennoch eine persönliche Bestleistung um knapp eine Minute. Frenzl selbst zeigte sich mit dem Ergebnis angesichts des riskanten Rennverlaufs versöhnt.
Am Bundesstützpunkt Frankfurt trainierende Athlet:innen von Vereinen aus anderen Landesverbänden
Sophia Junk (LG Rhein-Wied) – 200 m & 4x100 m & 4x100 m Mixed
Über 200 m verpasste Sophia Junk als beste deutsche Starterin im Halbfinale mit 23,22 Sekunden (Rang fünf ihres Laufs, insgesamt Platz 13.) den Finaleinzug – benötigt hätte es rund 22,77 Sekunden. Nach muskulären Problemen nach den Deutschen Meisterschaften, die ihre Vorbereitung massiv eingeschränkt hatten, war sie zunächst froh, überhaupt an den Start gehen zu können, zeigte sich mit der gelaufenen Zeit aber selbstkritisch.
In der 4x100-m-Staffel der Frauen kam es dann zum Missgeschick: Beim letzten Wechsel auf Gina Lückenkemper verspürte Junk plötzlich Schmerzen im Oberschenkel und konnte den Stab nicht sauber übergeben – Rennen nicht beendet, Aus im Vorlauf, trotz zuvor eigentlich aussichtsreicher Position. Gute Besserung an dieser Stelle für die schnelle Genesung!
Emil Agyekum (SCC Berlin) – 400 m Hürden – Silber!
Emil Agyekum krönte seine herausragende Saison mit einer starken Silbermedaille in 47,87 Sekunden – die erste deutsche EM-Medaille über diese Strecke seit 1986. Nur der überragende Karsten Warholm war mit Meisterschaftsrekord schneller. Seit dem 18. Juli 2026 hält Agyekum zudem den deutschen Rekord über 400 m Hürden – die Silbermedaille bei der EM ist die verdiente Krönung einer bärenstarken Saison.
Gesa Krause (Silvesterlauf Trier) – 3.000 m Hindernis – Gold!
Der Coup des Tages – und der ersten Goldmedaille für das gesamte DLV-Team bei dieser EM: Gesa Krause krönte sich in 9:12,69 Minuten zum dritten Mal nach 2016 und 2018 zur Europameisterin über 3.000 m Hindernis, acht Jahre nach ihrem letzten Titel. Es war ein dramatisches Rennen: Teamkollegin Lea Meyer hatte lange die Führungsarbeit übernommen, stürzte jedoch am letzten Wassergraben auf Medaillenkurs liegend und wurde noch Vierte. Krause selbst zeigte sich sichtlich stolz auf ihr „Lebenswerk“ und betonte, wie besonders und selten solche Momente nach so vielen Jahren im Spitzensport noch sind. Bei einer der besten deutschen Leichtathletinnen überhaupt, die aktuell wieder in Bestform ist, darf man auf noch mehr hoffen.
Olivia Gürth (Silvesterlauf Trier) – 3.000 m Hindernis – Bronze!
Direkt hinter ihrer Trainingspartnerin Krause sicherte sich Olivia Gürth in 9:15,33 Minuten – Saisonbestleistung – die Bronzemedaille und damit den größten Erfolg ihrer bisherigen Karriere. Ihr Plan war es, so viele Konkurrentinnen wie möglich hinter sich zu lassen und den Kontakt zur Spitzengruppe um Krause und die spätere Silbermedaillengewinnerin Alice Finot (Frankreich) zu halten – ein Plan, der perfekt aufging. Ein Doppelerfolg für das Duo aus Trier, das durch die Anbindung an den Bundesstützpunkt Frankfurt eng verbunden ist.
Vanessa Mikitenko (Silvesterlauf Trier) – 5.000 m
Bei ihrer EM-Premiere im Erwachsenenbereich – ein Jahr nach Silber bei der U23-EM – zeigte die erst 21-jährige Vanessa Mikitenko ein couragiertes Rennen im Mittelfeld und kämpfte sich zeitweise weiter nach vorn. Als das Tempo im Finale in der Schlussphase deutlich anzog, konnte sie nicht mehr mithalten und kam nach 15:54,49 Minuten auf Platz 14 ins Ziel. Sie selbst zog ein positives Fazit aus der Erfahrung, wie anders es im Rennen gegen die etablierte Konkurrenz zugeht, und will an ihrer Schlussphase arbeiten.
Leo Köpp (LG Nord Berlin) – Halbmarathon Gehen
Köpp ging mutig die Geher Halbmarathon Distanz an: Der 28-Jährige setzte sich früh an die Spitze und blieb dort konstant an den Fersen des späteren Siegers Paul McGrath aus Spanien. Zuvor hatte er mit gesundheitlichen Problemen zu kämpfen und erhielt erst am Wettkampftag die ärztliche Freigabe. Auf Silberkurs liegend wurde er nach knapp zwei Dritteln des Rennens jedoch wegen fehlender Kniestreckung disqualifiziert – für ihn überraschend. Trotz des bitteren Endes zieht er aus Taktik und Tempo Zuversicht für den weiteren Weg Richtung Olympia 2028.
Die Medaillengewinner:innen im Überblick
Sowohl die Athlet:innen aus Hessens Vereinen als auch die am Bundesstützpunkt Frankfurt trainierenden Athlet:innen sorgten in Birmingham für Edelmetall:
- Gesa Krause (Silvesterlauf Trier, BSP Frankfurt) – Gold über 3.000 m Hindernis
- Merlin Hummel (Eintracht Frankfurt) – Silber im Hammerwurf
- Kevin Kranz (Sprintteam Wetzlar) – Silber mit der 4x100-m-Staffel der Männer und Silber mit der 4x100-m-Mixed-Staffel
- Heiko Gussmann (Sprintteam Wetzlar) – Silber mit der 4x100-m-Staffel der Männer und Silber mit der 4x100-m-Mixed-Staffel
- Rebekka Haase (Sprintteam Wetzlar) – Silber mit der 4x100-m-Mixed-Staffel
- Emil Agyekum (SCC Berlin, BSP Frankfurt) – Silber über 400 m Hürden
- Olivia Gürth (Silvesterlauf Trier, BSP Frankfurt) – Bronze über 3.000 m Hindernis
Damit haben hessische Athlet:innen an gleich 7 der 21 deutschen Medaillen direkten Anteil gehabt. Eine herausragende Bilanz für den Standort Frankfurt und die hessischen Vereine.
Carsten Ebert, Bundesstützpunktleiter Frankfurt, DLV, und Geschäftsführer Sport des HLV, zieht ein positives Fazit dieser EM:
"Die Ergebnisse verdeutlichen, was möglich ist, wenn viele Akteure gemeinsam Verantwortung tragen. Im Mittelpunkt steht das Zusammenspiel von Vereinen als sportliche Basis und Heimat der Athlet:innen, dem Landesverband und dem Bundesstützpunkt. Gemeinsam bilden sie die Struktur, auf der nachhaltige Leistung entstehen kann.
Der zentrale Erfolgsfaktor sind die Trainer:innen. Mit Heinig, Kupper, Klaas und Corell haben Trainer:innen vom Standort ihre Athlet:innen zu Medaillen bei der EM geführt. Diese Leistungen zeigen, wie entscheidend es ist, Trainer:innen zu fördern und ihnen verlässliche sowie langfristige Perspektiven im Leistungssport zu eröffnen. Darauf werden wir auch künftig unseren Fokus legen.
Solche Erfolge entstehen aber nur als gemeinsame Leistung eines starken Netzwerks. Das Team ums Team in den Vereinen, am Bundesstützpunkt und im Landesverband trägt ebenso dazu bei wie unsere Partner – das Sportland Hessen, die Stadt Frankfurt, der Olympiastützpunkt Hessen, der Landessportbund Hessen, die Sportstiftungen und weiteren Förderer sowie unsere Eliteschule des Sports. Jeder übernimmt dabei eine wichtige Rolle, damit Athlet:innen und Trainer:innen die Bedingungen vorfinden, die Entwicklung und internationale Leistung möglich machen.
Das Potenzial für LA 2028 und Brisbane 2032 ist vorhanden. Unsere Aufgabe ist es, dieses Potenzial gemeinsam weiter zu fördern."
Dieses Potenzial war in Birmingham bereits deutlich zu erkennen: Der Erfolg verteilt sich auf viele Schultern und mehrere Generationen. Neben den etablierten Kräften wie Gesa Krause oder Christopher Linke, die auf jahrelange Erfahrung zurückgreifen, haben mit Amadeus Gräber, Owe Fischer-Breiholz und Smilla Kolbe gleich mehrere junge Athlet:innen gezeigt, dass sie schon jetzt auf internationalem Topniveau mithalten können und in den kommenden Jahren noch für einiges gut sein dürften. Auch dort, wo es diesmal nicht für eine Medaille gereicht hat, waren persönliche Bestleistungen, mutige Rennen und couragierte Auftritte an der Tagesordnung. Herzlichen Glückwunsch an alle Athlet:innen und natürlich auch an die Trainer:innen und Vereine, die diese Erfolge möglich gemacht haben!
Alles Weitere zur EM gibt es hier.
Alle Fotos: Jan Papenfuss