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Giessen.HLV - Mittelhessische Einzel Meisterschaften
Die Leichtathletik hat auf regionaler Ebene eine Menge zu bieten. Davon konnte sich am Samstag in Marburg bei den Mittelhessischen Meisterschaften jeder überzeugen. Denn auch wenn der wechselnde Wind manche Sprinter und Springer verzweifeln ließ - Spannung war in den zahlreichen Wettbewerben der Altersklassen U16 bis Aktive garantiert: Denn immerhin ging es im Georg-Gaßmann-Stadion um die ersten Einzeltitel der noch jungen Freiluft-Saison.
Erfolgreiche Gießener Athleten
Wie hochklassig die Leichtathletik in Mittelhessen aufgestellt ist, zeigte sich im Lauf des Tages gleich an mehreren Krimi-Entscheidungen. Für die wohl knappste sorgten zwei Athletinnen des LAZ Gießen im 100-Meter-Finale der Frauen: Lucy Weingarten und Michelle Aulbert hatten sich schon im Vorlauf duelliert und mit knapp über 1,60 Sekunden flotte Zeiten auf die Bahn gelegt. Im Endlauf gipfelte die Bestzeiten-Jagd dann in einem Herzschlagfinale: Mit nur einer Hundertstel Vorsprung warf sich Aulbert vor ihrer Teamkollegin ins Ziel und holte sich den ersten Titel. Beide staunten danach nicht schlecht über ihre Zeit. 12,37 beziehungsweise 12,38 Sekunden: Für die Sprinterinnen jeweils, eine klare Saisonbestzeit - wenn da nicht der Wind gewesen wäre, der mit 2,2 m/s etwas zu stark von hinten wehte. Doch die Stimmung sollte das an diesem Tag nicht trüben: LAZ-Neuzugang Aulbert sprintete über 100 Meter Hürden in 14,10 Sekunden zum nächsten Titel und kommt damit der B- Norm für die Deutschen Meisterschaften (14,00s) immer näher. „Das war genau das, was ich mir vorgenommen hatte“, freute sich die Hürdenspezialistin.
Weiter ging es auf der Bahn mit dem nächsten Kopf-an-Kopf-Rennen zweier heimischer Athleten: In der männlichen Jugend U18 setzten sich Jannis Bender (LG Langgöns/ Oberkleen) und Anton Fabeck (LG Wettenberg) früh vom Rest des Feldes ab, ehe es auf der Zielgeraden zum Showdown kam: Bender lag zunächst in Führung, ließ dann jedoch die Innenbahn offen. Diese Lücke nutzte Fabeck, um auf den letzten Metern noch an seinem Langgönser Konkurrenten vorbeizuspurten. Etwas unkonventionell, aber alles fair, wie beide im Ziel direkt signalisierten. Während Anton Fabeck also über Rang eins jubeln durfte, brauchte sich auch Bender nicht lange zu ärgern. In 2:08,04 Minuten lief der LGLO-Athlet zu einer neuen persönlichen Bestzeit (PB).
Im Weitsprung der W15 kämpften Rhianna Benner (TSF Heuchelheim) und Frida Klein (LAZ Gießen) um jeden Zentimeter. Nach sechs Versuchen setzte sich Benner schließlich hauchdünn vor der LAZ-Athletin durch - mit neuer persönlicher Bestleistung von 4,67m.
Die hatte sie zuvor bereits mit 13,53 Sekunden im Vorlauf über 100 Meter geknackt — genauso wie Lina Scerra (LAZ), die mit 13,41 den Lauf gewann. Dabei blieb es auch im Finale, in dem beide sogar noch schneller unterwegs waren.
Michelle Rutz (LG Wettenberg), die im Weitsprung in der U18 erwartungsgemäß ganz oben auf dem Treppchen landete. Mit 5,46 Metern sorgte die Sprungspezialistin direkt im ersten Versuch für klare Verhältnisse und gewann vor Vereinskollegin Julia Berghoff, die erstmals in dieser Freiluft Saison über die fünf Meter flog. Auf den Sprintdistanzen musste sich Rutz dann jeweils nur Maria Mitroi (TV Wetzlar) geschlagen geben und sammelte zwei weitere Podestplätze ein. Ihre Schnelligkeit aus dem Weitsprung-Anlauf bekommt die Wettenbergerin immer besser auch auf der Bahn umgesetzt.
Annabelle Will vom LAZ Gießen, die mit vier persönlichen Bestleistungen bei vier Starts bewies die Gießenerin, dass sich das Training der letzten Wochen und Monate mehr als ausgezahlt hat. Besonders jubeln konnte Will über ihren ersten Fünf-Meter-Sprung an der Weitsprunggrube, der sie auf Rang zwei in der Frauen-Konkurrenz katapultierte. Dazu gewann sie mit flotten 27,29 Sekunden die 200 Meter und sprintete gemeinsam mit der LAZ-Staffel um Marie Kohrmann, Lucy Weingarten und Michelle Aulbert zum nächsten Titel. In 49,21 Sekunden unterbot das Quartett damit gleichzeitig die Norm für die Süddeutschen Meisterschaften. Auch die Wettenbergerin Carlotta Ella Krämer bewies in Marburg ihre Vielseitigkeit. Neben einer neuen PB in ihrer Paradedisziplin Kugelstoßen (11,36 m, Rang 2) legte sie anschließend über 200 Meter mit dem nächsten Hausrekord nach und wurde in 27,58 Sekunden Dritte.
In der M14 sammelte dann Malte Winter (TSG Alten-Buseck) gleich zwei Titel ein: Der Nachwuchs-Athlet siegte mit neuer Bestleistung von 1,50 Meter im Hochsprung, wo er sich nur dank weniger Fehlversuche gegen Noah Daniel Heinbach (VfL Marburg) durchsetzte. Dazu gewann Winter auch die 80 Meter Hürden (13,59), während sein Vereinskollege Keanu Schmidt auf den 100 Metern der U20 mit11,49 Sekunden nicht zu schlagen war. Hier passte dann auch der Wind.
Zweikuriose Pannen: Für LAZ-Athlet Lennart Wehrum sollten die wechselnden (Böen jedoch nicht die einzige Herausforderung des Tages bleiben. Denn bei gleich zwei kuriosen Pannen war er mittendrin: Als einziger Starter nahm er am Morgen die110 Meter Hürden in Angriff - und musste prompt noch einmal starten, da eine Hürde beim ersten Versuch im falschen Abstand aufgebaut war. Nur gut eine Stunde später wiederholte sich das Schauspiel auch im 100-Meter Finale der Männer. Diesmal hatte die Zeitmessung beim Zieleinlauf gestreikt. Doch Wehrum nahm es gelassen, erwischte auch den Wiederholungslauf gut und lief in 11,79 Sekunden zu neuer PB und Rang drei. Die Podest Sammlung komplett machte der Gießener schließlich mit seinem zweiten Platz im Weitsprung (6,21m) knapp hinter Björn Langer von der LG Wettenberg, der bei schwierigen Windbedingungen im ersten Versuch immerhin zu 6,28 Metern sprang. Da für Langer kommendes Wochenende die Hessischen Zehnkampf-Meisterschaften anstehen, nutzte er die Titelkämpfe in Marburg als Form Test in gleich vier Technik-Disziplinen. Während er im Hochsprung mit 1,75 Meter noch nicht an sein Top-Niveau herankam, konnte er mit seinem Wurf-Leistungen schon sehr zufrieden sein. 46,27 Meter mit dem Speer und 34,40 Meter mit dem Diskus bedeuteten für den Wettenberger jeweils Rang zwei.